Bericht zur Ausstellungseröffnung Augenblicke der Natur

Am Sonn­tag, den 27. April wur­de die ers­te Ein­zel­aus­stel­lung unse­res Mit­glie­des Frank Gru­ber fei­er­lich in der Begeg­nungs­stät­te BRÜCKE eröff­net.

Ausstellungseröffnung
Aus­stel­lungs­er­öff­nung, Foto Dr. S. Krau­se

Erschie­nen waren zahl­rei­che Gäs­te, dar­un­ter Freun­de und Fami­lie des Foto­gra­fen, Foto­in­ters­sier­te und Ver­tre­ter von Ver­wal­tung und Poli­tik der Stadt Salz­git­ter.

Zur Eröff­nung spra­chen Herr Wil­fried Poll­mann (1. Vor­sit­zen­der des Fre­den­berg Forums), Herr Ekke­hard Grun­wald (Stadt­rat und Kul­tur­de­zer­nent der Stadt Salz­git­ter), Sebas­tian Wam­sied­ler (Lei­ter des ATELIER 70) sowie Frank Gru­ber (Foto­graf).

Nach der Begrü­ßung durch Herrn Wil­fried Poll­mann, sprach Herr Stadt­rat Grun­wald ein Gruß­wort der Stadt Salz­git­ter und schil­der­te sei­ne per­sön­li­che Bezie­hung zur Foto­gra­fie und Natur. Freu­dig über­rascht wur­den die Anwe­sen­den vom spon­ta­nen Sel­fie, wel­ches Herr Grun­wald von sich selbst mit den an der Eröff­nung Betei­lig­ten foto­gra­fier­te.

Selfie-Entstehung
Sel­fie-Ent­ste­hung, Foto Dr. S. Krau­se
Selfie
Sel­fie, Foto E. Grun­wald
Der Fotograf
Der Foto­graf, Foto Dr. S. Krau­se

Die Ein­füh­rung zur Aus­stel­lung über­nahm der Lei­ter des ATELIER 70, Sebas­ti­an Wam­sied­ler, des­sen Rede Sie unten steh­den nach­le­sen kön­nen. Das Schluß­wort bestritt der Foto­graf Frank Gru­ber selbst, indem er zu sei­nen Foto­gra­fi­en Anmer­kun­gen gab und auch die umfang­rei­che Arbeit im Vor­hin­ein der Ausstllung ver­wies. In die­sem Zusam­men­hang dank­te er ins­be­son­de­re dem lang­jäh­ri­gen Mit­glied des ATELIER 70 Herrn Bernd Hun­dert­mark für die tat­kräf­ti­ge Unter­stüt­zung bei der Aus­stel­lungs­vor­be­rei­tung.

Die Aus­stel­lung kann anschlie­ßend bis zum 30. Juni zu fol­gen­den Öffnungs­zei­ten und bei allen Ver­an­stal­tun­gen ange­schaut wer­den:
mon­tags 13 bis 17 Uhr
diens­tags 15.30 bis 17.30 Uhr
mitt­wochs 13 bis 16.30 Uhr
don­ners­tags 8 bis 10 Uhr
frei­tags 15 bis 17 Uhr

Einen Bericht der Salz­git­ter-Zei­tung zur Aus­stel­lungs­er­öff­nung fin­den Sie hier.

 

Ein­füh­rungs­re­de von Sebas­ti­an Wam­sied­ler zur Aus­stel­lung Augen­bli­cke der Natur

Ver­ehr­te Damen und Her­ren, lie­be Foto­freun­de,

ich darf Sie ganz herz­lich heu­te Mor­gen zur Aus­stel­lungs­er­öff­nung begrü­ßen.

Frank Gru­ber gehört jetzt seit gut zwei Jah­ren zur Stamm­mann­schaft von Ate­lier 70 und ich freue mich, dass ich heu­te sei­ne ers­te Ein­zel­aus­stel­lung mit groß­for­ma­ti­gen Foto­gra­fi­en miter­öff­nen darf.

Der 2007 ver­stor­be­ne bekann­te Natur­fo­to­graf und Weg­be­rei­ter der anspruchs­vol­len Tier­fo­to­gra­fie Fritz Pöl­king sag­te ein­mal: „Man­che Leu­te mei­nen, Natur­fo­to­gra­fie sei ein Hob­by, ein blo­ßer Zeit­ver­treib. Tat­säch­lich ist es genau das Gegen­teil, es ist eine Art Lebens­ent­schei­dung.”
Ein Satz den man in die­ser Form auch Frank Gru­ber zuschrei­ben darf. Was zunächst als Inter­es­se für die Orni­tho­lo­gie begann, ver­misch­te sich all­mäh­lich mit dem Inter­es­se zur Foto­gra­fie. Was als Hob­by begann, um dem All­tags­streß, dem hek­ti­schen Berufs­le­ben zu ent­flie­hen und Ent­span­nung zu suchen ist bei Frank mitt­ler­wei­le zu einer inten­si­ven Lei­den­schaft mit pro­fes­sio­nel­lem Anspruch gewor­den. Eine Lebens­ent­schei­dung.

Mitt­ler­wei­le hat die­se Lebens­ent­schei­dung zur Natur­fo­to­gra­fie Frank in zahl­rei­che Län­der Euro­pas und Nord­ame­ri­kas geführt um die dor­ti­ge Fau­na und Flo­ra zu stu­die­ren und foto­gra­fisch zu doku­men­tie­ren. Schwer­punkt die­ser Arbeit bil­det bis heu­te die Orni­tho­lo­gie mit der foto­gra­fi­schen Doku­men­ta­ti­on, dane­ben aber auch die Säu­ge­tier­fo­to­gra­fie und die Pflan­zen­fo­to­gra­fie mit dem Schwer­punkt der Makro­fo­to­gra­fie.
Seit über 10 Jah­ren ist Frank zudem Voll­mit­glied der Gesell­schaft deut­scher Tier­fo­to­gra­fen, die größ­te Natur­fo­to­gra­fen-Ver­ei­ni­gung Euro­pas zu des­sen Grün­dungs­mit­glie­dern der eben schon erwähn­te Fritz Pöl­king gehör­te. Jetzt wer­den Sie viel­leicht Fra­gen, was mag das Voll­mit­glied wohl bedeu­ten. Gibt es auch hal­be Mit­glie­der, hal­be Foto­gra­fen. Natür­lich nicht. Die Gesell­schaft deut­scher Tier­fo­to­gra­fen nimmt zwar ger­ne jeden als För­der­mit­glied auf, aber nicht längst jeden als Voll­mit­glied. Dazu muss man näm­lich mit einem umfang­rei­chen Port­fo­lio erst ein­mal bele­gen, dass man wür­dig ist in die Gesell­schaft auf­ge­nom­men zu wer­den. Das heißt, dass eine Kom­mis­si­on anhand des bis­her geschaf­fe­nen foto­gra­fi­schen Wer­kes über eine Zulas­sung zur Voll­mit­glied­schaft ernst ent­schei­den muss.

Um ein guter Natur­fo­to­graf zu wer­den, bedarf es mehr als nur einer Foto­aus­rüs­tung. Nicht jeder der mit einer Kame­ra aus­ge­stat­tet durch die Natur streift, ist ein Natur­fo­to­graf. Schließ­lich steht nicht zu Unrecht am Anfang der Bezeich­nung Natur­fo­to­graf das Wort “Natur”.

Der wah­re Natur­fo­to­graf ist in ers­ter Linie ein Schüt­zer und Bewah­rer der Natur, sei­ner Umge­bung. Erst in zwei­ter Linie ist er Foto­graf.

Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag als Frank hier in der Brü­cke sei­ne Bil­der rahm­te, erzähl­te er mir von einer ver­steckt lie­gen­den gro­ßen Wie­se am nörd­li­chen Harz­rand, auf der vie­le sel­te­ne Orchi­de­en­pflan­zen anzu­tref­fen sind. Er schwärm­te davon, sag­te aber in einem fol­gen­den Satz gleich: „Ich wür­de nie auf die Idee kom­men, den genau­en Stand­ort an ande­re Foto­gra­fen zu ver­ra­ten.“ Frank ist kein Ego­ist. Er ist viel­mehr in ers­ter Linie ein Schüt­zer und Bewah­rer. Für ihn als ech­ten Natur­fo­to­gra­fen steht die Natur im Vor­der­grund.
Es gilt schließ­lich auch beim Foto­gra­fie­ren die Natur zu ach­ten und zu schüt­zen. Es soll zwar ein gutes Foto ent­ste­hen, jedoch nicht um jeden Preis. Es dür­fen nicht alle Regeln über Bord gewor­fen und damit eine Gefähr­dung von Tie­ren und Pflan­zen in Kauf genom­men wer­den. Mit den Foto­gra­fi­en sol­len Natur­schön­hei­ten gezeigt wer­den, aber auch schon ein­mal die Fin­ger in die Wun­de gelegt wer­den, um Miss­stän­de auf­zu­zei­gen, zum Bei­spiel durch die Doku­men­ta­ti­on von gefähr­de­ten Arten.

Grund­sätz­lich gehört zur Natur­fo­to­gra­fie ein hohes fach­li­ches Wis­sen über die Foto­mo­ti­ve selbst, sei­en es Tie­re oder Pflan­zen. Frank hat sich die­ses Wis­sen über die vie­len Jah­re sei­ner Tätig­keit ange­eig­net, denn ohne die­ses Wis­sen wäre es bei­spiels­wei­se nicht mög­lich, sich in einem Habi­tat zu bewe­gen ohne die dort leben­de Spe­zi­es zu stö­ren oder gar zu gefähr­den. Selbst­ver­ständ­lich kommt einem die­ses Wis­sen auch bei der foto­gra­fi­schen Arbeit zu Gute, wenn es dar­um geht, opti­ma­le foto­gra­fi­sche Posi­tio­nen für einen Ansitz zu suchen. Man muss schließ­lich wis­sen, wann ein Tier, an wel­cher Stel­le und war­um auf die Lich­tung tritt. Und dann kann es immer noch sein, dass der Natur­fo­to­graf trotz­dem nicht auf den Aus­lö­ser drückt.

Viel­leicht haben Sie den vor kur­zem im Kino gelau­fe­nen Film Das erstaun­li­che Leben des Wal­ter Mit­ty gese­hen. Mit­ty, Foto­ar­chi­var des bekann­ten LIFE Maga­zi­ne, ist in die­sem Film auf der Suche nach dem Foto­gra­fen Sean O’Connell, der das Titel­bild zur letz­ten Print­aus­ga­be des LIFE Maga­zi­ne lie­fern soll. Nach erfolg­rei­cher Suche spürt Mit­ty den Foto­gra­fen im Hoch­ge­bir­ge von Afgha­ni­stan auf. Er ist gera­de dabei Schnee­leo­par­den, eine stark gefähr­de­te Art, zu foto­gra­fie­ren. Es kommt zu einer ein­dring­li­chen Sze­ne im Film. Nach stun­den­lan­gem Aus­har­ren in der Eises­käl­te taucht end­lich ein Schnee­leo­pard auf, aber was macht der Foto­graf. Er beob­ach­tet nur statt zu foto­gra­fie­ren. Mit­ty fragt schließ­lich flüs­ternd: „Wann drückst Du auf den Aus­lö­ser?“. Sean O’Connell ant­wor­tet: „Manch­mal gar nicht. Wenn mir ein Moment gefällt, dann will ich nicht das mich die Kame­ra irgend­wie ablenkt. Dann will ich ein­fach nur dar­in ver­wei­len. So wie jetzt gera­de.“
Viel­leicht hast auch Du Frank schon ein­mal so einen Moment beim Foto­gra­fie­ren erlebt, ich wün­sche es Dir jeden­falls.

Das Tier in sei­nem Lebens­raum zei­gen. Immer wie­der wird die­ser Satz pro­pa­giert. Frank hat für die heu­ti­ge Aus­stel­lung Foto­gra­fi­en aus Deutsch­land, Ungarn und Island aus­ge­wählt. Neben dem schon ange­spro­che­nen Schüt­zer und Bewah­rer erkennt man die Hand­schrift des Foto­gra­fen. Es han­delt sich um wohl kom­po­nier­te, sprich gestal­te­te Arbei­ten, die auch eben­so durch tech­ni­sche Bril­lanz glän­zen. Und jeder kann sich sicher­lich vor­stel­len, dass es gera­de bei der Tier­fo­to­gra­fie manch­mal nur um Bruch­tei­le von Sekun­den geht um DAS Foto zu machen. Bei­spiels­wei­se beim Odins­hühn­chen ‚wel­ches uns in der Aus­stel­lung mit weit aus­ge­brei­te­ten Flü­geln begeg­net. Auf der foto­gra­fi­schen Vita von Frank kön­nen Sie sogar sehen, wie das Bild vom Odins­hühn­chen ent­stan­den ist. Viel­leicht fra­gen Sie aber zur genau­en Ent­ste­hung des Bil­des bes­ser ein­mal bei Franks Töch­tern nach, die das gan­ze näm­lich sehr amü­sant fan­den als der Papa da Baden ging. Denn Sie kön­nen sich sicher vor­stel­len, wie man sich ohne gefüt­ter­te Watho­se im islän­di­schen Was­ser fühlt und dann auch noch mit einer lan­gen Teleb­renn­wei­te ein 15 cm klei­nen Vogel foto­gra­fie­ren muss.

Geduld und Vor­be­rei­tung ist für einen Natur­fo­to­gra­fen beson­ders wich­tig. Frank hat dies sowohl beim Foto­gra­fie­ren als auch bei der heu­ti­gen Prä­sen­ta­ti­on sei­ner Arbei­ten ein­drucks­voll bewie­sen.
Ich dan­ke Dir für Dei­ne heu­ti­ge Aus­stel­lung, deren Vor­be­rei­tun­gen nicht ohne Hür­den ver­lau­fen sind, bei­spiels­wei­se bei der hoch­wer­ti­gen Druck­le­gung Dei­ner Foto­gra­fi­en.

Zum Schluß möch­te ich Ihnen noch einen Gedan­ken von Fritz Pöl­king mit auf den Weg geben, von dem ich mei­ne, dass er nicht nur auf Natur­fo­to­gra­fen zutref­fen soll­te:
“Für ein Leben, auf das es dem Natur­fo­to­gra­fen ankommt, also eine gute, gelun­ge­ne und eine sinn­erfüll­te Exis­tenz, erweist sich vie­les von dem, was die Men­ge sucht, als über­flüs­sig.”